Guens Burg Jurisics
Die Stadtburg Jurisics in Güns
 
Güns (ung. Kőszeg, kroat. Kiseg) ist ein kleines Landstädtchen am Westrand der kleinen Ungarischen Tiefebene, schon am Ostabhang des Günser Gebirges gelegen.
 
Hier hat sich in der für das ganze östliche Österreich schrecklichen Türkenzeit (1469-1683) ein Wunder ereignet.
 
Nach der habsburgischen Erbschaft des Königreichs Ungarn (1526) war bereits 1529 ein türkisches Heer vor Wien erschienen (1. Wiener Türkenbelagerung).
 
1532 stieß Sultan Soliman I. (Suleiman, Süleyman) wiederum gegen Österreich vor. Seine Armee war nach zeitgenössischen Berichten rund 200.000 Mann stark, darunter etwa 70 -80.000 Soldaten und führte 200 Feldkanonen mit.
Am 5. August 1532 traf sie vor Güns ein.
 
Stadtkommandant von Güns war der kroatische Adelige Nikola Jurišić (1490-1545, ung. Miklós Jurisics) aus Zengg (kroat. Sen, ital. Segna) an der Adria. Er war 1530 als kaiserlicher Botschafter in Konstantinopel gewesen und dort zwei Monate lang eingekerkert.
Er hätte mit seiner kleinen Truppe eigentlich zur Armee Ferdinands vor Wien stoßen sollen, tat es dann aber nicht und erläuterte dem König seine Beweggründe in einem Brief: „Ich habe mich getraut diese kleine und schwache Stadt vor der türkischen Macht zu verteidigen, nicht weil ich mir erhoffe, dass ich sie erretten werde, sondern, dass ich eine zeitlang den Feind beschäftige und somit den christlichen Regierenden Zeit erbringe, um sich für die Verteidigung zu rüsten. Nur deswegen habe ich mich der größten tödlichen Gefahr und Not ausgesetzt.“
 
Nikola Freiherr Jurisic 14901545
Nikola Freiherr Jurišić (1490–1545)
 
Jurišić verfügte über 46 Soldaten und etwa 650 bewaffnete Bürger und Bauern. Mehrere Tausend Landbewohner waren in die Stadt geflohen und hatte glücklicherweise auch Lebensmittelvorräte mitgebracht.
 
Bürgermeister von Güns war Stefan Rempel, er wurde von einer Kugel in den Arm getroffen, Pfarrer war Michael Altz, er blieb unverletzt.
 
Drei Tage lang ließ der Sultan die Stadt mit seiner Artillerie beschießen um die Besatzung einzuschüchtern und zur Übergabe zu bewegen. Aber Güns ergab sich nicht. Dann, ab dem 13. August, griffen die osmanischen Truppen an. Auch Minengänge wurden gegraben. Einige türkische Minen konnten durch Gegengrabungen entschärft werden, aber eine explodierte und zerstörte die Mauer auf 18 bis 30 m Länge. Dort setzte der nächste Sturm an. Aber die Verteidiger konnten auch diesen abschlagen und die Mauer provisorisch reparieren.
12 Sturmversuche scheiterten. Inzwischen war die Hälfte aller Verteidiger gefallen. Jurišić schickte nun sogar Frauen auf die Mauern um das Durchbrechen zu verhindern.
 
Während dieser Belagerung stand südlich von Wien eine immer stärker werdende christliche Armee unter dem Befehl von König Ferdinand I. Dabei waren auch Spanier, Italiener, Ungarn, Kroaten und viele Reichstruppen. Sie konnte die Leitha-Grenze aber nicht überschreiten, weil die deutschen Fürsten nur die Verwendung zum Schutze Österreichs genehmigt hatten und wohl auch weil sie sich der türkischen Armee nicht gewachsen fühlten. Und so blieb Güns alleine.
 
Am 28. August forderte der Sultan die Stadt nochmals zur Kapitulation auf. Jurišić lehnte ab. So begann der 13. Sturmangriff. Und obwohl dabei wiederum 60 Verteidiger fielen und Jurišić selbst verwundet wurde, wurden die vielfach überlegenen Angreifer wieder zurückgeschlagen. Damit nicht genug unternahmen die Verteidiger nun sogar noch einen Ausfall. Das war wohl der Mut der Verzweiflung, wie Jurišić später selbst schrieb, denn das Pulver ging zur Neige, seine letzten Kämpfer waren mutlos und er hätte sich „keine Stunde mehr verteidigen können“.
Um das Gesicht des Sultans zu wahren einigte man sich am 29. August schließlich auf eine Scheinübergabe. Eine türkische Flagge wurde auf der Günser Burg gehißt, aber die Stadt nicht besetzt. Am 30. August zogen die Türken ab.
Zur Erinnerung daran läuten in Güns seit 1777 um 11 Uhr die Kirchenglocken, zu dieser Stunde am 30. August 1532, waren die Belagerer komplett abgezogen.
 
Das Wunder war eingetreten, Die Günser Bürger und Bauern mit dem tatkräftigen Kommandanten Jurišić hatten, begünstigt durch eine Regenperiode, einer mehr als hundertfachen Übermacht von Berufssoldaten widerstanden.
418 der rund 700 Verteidiger waren dabei gefallen.
Noch viel wichtiger war die indirekte Wirkung der osmanischen Niederlage. Wie von Jurišić beabsichtigt, hatte die christliche Armee bei Wien Zeit hatte sich zu sammeln und damit einen neuerlichen Angriff auf Wien zu verhindern.

Jurišić wurde für seine Leistung von Kaiser Karl V. zum Freiherrn und Kammerherrn ernannt. Die schwer zerstörte Stadt Güns erhielt Steuerbefreiungen.
 
Das durch die Osmanen belagerte Guens Ausschnitt eines Kupferstichs von Eduard Schoen
Das durch die Osmanen belagerte Güns. Ausschnitt eines Kupferstichs von Eduard Schön
Man sieht darauf wie klein Güns war.
 
Osmanische Plünderertrupps, Akindschi (Aqindji, Akyndschy, Aḳıncı), die „Renner und Brenner“, etwa 16.000 Mann stark, überschwemmten unter der Führung von Kasim Bey währenddessen die Oststeiermark und das südliche Niederösterreich und stießen bis zur Enns vor. Sie plünderten alle Dörfer und Einzelhöfe auf ihrem Weg, erschlugen tausende Zivilisten und führten weitere in die Sklaverei. Städte und Burgen wagten sie aber nicht anzugreifen. In Waidhofen an der Ybbs wagten die Hammerschmiede einen Ausfall und jagten eine Schar in die Flucht. Da immer mehr Landbewohner zur Selbsthilfe griffen und sie Nachricht vom Abzug Solimans von Güns erhielten zogen sich die Plünderer schließlich mit reicher Beute und tausenden Gefangenen nach Osten zurück und wollten zur türkischen Hauptmacht in Ungarn stoßen. Bei Leobersdorf in Niederösterreich trafen sie aber auf vorbereitete reguläre christliche Truppen unter Pfalzgraf Friedrich II. und dem Söldnerführer Sebastian Schertlin von Burtenbach, dort durften diese ja eingesetzt werden, und wurden am 19. September fast zur Gänze aufgerieben.

Auf dem Rückweg marschierte Solimans Hauptarmee durch die Steiermark nach Süden und zog eine weitere breite Schneise der Zerstörung. Graz und Marburg (slowen. Maribor) konnten sich halten.

Güns hatte bis ca. 1900 eine deutsche Bevölkerungsmehrheit (Sprachzählung 1880: 72,5%) dann bewirkte der staatliche ungarische Nationalismus eine Magyarisierung.

Das Städtchen liegt heute in Ungarn, unmittelbar an der burgenländischen Grenze. Die nördlichen Nachbardörfer Liebing und Rattersdorf gehören bereits zu Österreich.
Trotz des ungarischen Nationalismus und der Kollektivvertreibung nach 1945 zählte man 2011 5,2 % Deutsche (und 2,2% Kroaten) in Güns. Wie überall in Ungarn gibt es kulturelle Autonomie und muttersprachlichen Unterricht für die Minderheiten.
 
 
Hier noch die Liste der führenden Männer von Güns und ihr Schicksal (aus dem Original-Manuskript)
Diese Liste zeigt sehr gut, wie schwer die kleine Stadt mitgenommen worden ist.

"Verzeichniß derer, so in der Belagerung ihr Leben verlohren, oder verwundet sind worden."

Niclas Juritschitz, Ritter, Stadtkommandant (verletzt)
Michael Aeltz, Pfarrer - nichts beschehen
Steffan Rempl , Statt Richter - in ain Arm geschossen
Paul Erdeusch (Erdös), Ratsgesworner und Viertelmaister - auf der Maur erschossen
Hanns Kerßner, Ratsgesworner und Viertelmaister - auf der Maur erschossen
Niclosch (Nikolaus) Wedötsch (Bedöcs), Ratsgesworner und Viertelmaister - auf der Maur erschossen
Mathes (Mathias) Ledrer, Ratsgesworner, Viertelmaister, Hauptmann der Stadt - auf der Maur erschossen
Anndre Slaher, Ratsgesworner - auf der Maur krank, in seinem Haws Todts verschiden
Pangratz Swankler, Ratsgesworner - auf der Maur Beleidgung erlitten (verletzt)
Walennt (Valentin) Markho, Ratsgesworner - auf der Maur Beleidgung erlitten (verletzt)
Mathes (Mathias) Plickenofen, Ratsgesworner - auf der Maur Beleidgung erlitten (verletzt)
Ulrich Günser, Ratsgesworner - auf der Maur Beleidgung erlitten (verletzt)
Michal Tschu (Csó) , Ratsgesworner - nichts beschehen
Steffan Darkner, Ratsgesworner - nichts beschehen
Benedickh Werosch (Vörös), Ratsgesworner - nichts beschehen
Anndrasch (Andreas) Wedötsch (Bedöcs), Hauptmann der Stadt - erschossen worden
Mert (Martin) Schneider, Hauptmann der Stadt - erschossen worden
Hanns Thramer, Hauptmann der Stadt - erschossen worden
Georg Khromoser, Wachtmaister - nichts beschehen
Hanns Ygl, Fenndrich (Fähnrich) - beschedigt worden
German Swankler, Waybl (Feldwebel) - nichts beschehen
Peter Schmid, Waybl (Feldwebel) - nichts beschehen
Erhart Schuster, Waybl (Feldwebel) - erschossen worden
Mathias Ferintisch (Forintos), Fewrmaister (Feuermeister) - nichts beschehen
Thrumenslager (Trommler) - erschossen worden
Pfeyffer (Pfeiffer) - beschedigt worden
 
„Sein also in sollicher Belegerung in der Statt Güns allenthalben umbkhommen, und erschossen worden, bey vierhundert achtzehen Menschen.“
 
„So hat der dürkisch Kaysser seine redlich, und ritterlich Dürken, so vor Güns erschossen unnd umbkhomen sein, seer beclagt; aber wieuil (wieviel) derselben tod belieben, ist den Günsern unwissennt.“
 
Quelle: u.a.
Hier einige Originalberichte in einer späteren gedruckten Ausgabe:
 
 

Das hier ist natürlich nur ein kurzer schematischer Überblick.

Alle Leser sind herzlich eingeladen, mir Ergänzungen mitzuteilen und mich auf Fehler und Irrtümer meinerseits aufmerksam zu machen.

Günter Ofner
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